Schätzt erfahrene Mitarbeitende so hoch, wie sie es verdienen!

28. September 2009 von terzStiftung Einen Kommentar hinterlassen »

Es soll Drucker geben, die ungewöhnliche Geräusche in „ihrer“ high-tech-Maschine früher hören, als irgendein Programm diese automatisch abschalten könnte. Ihre Vertrautheit mit der Druckmaschine ist unersetzlich. Das ist an vielen Arbeitsplätzen ähnlich. Wenn mehr zu tun ist, müssen die erfahrensten Mitarbeitenden Überstunden machen. Durch Alterslimiten und erst recht durch Frühpensionierungen berauben Unternehmen sich widersinniger Weise dieser Erfahrung. Das soll nun keinesfalls heissen, dass Auszubildende und frisch geschulte Mitarbeitende nicht ganz wertvolle Impulse in einen Betrieb einbringen könnten. Es ist nur ein Hinweis darauf, dass auch im Zeitalter der Hochtechnologie in langen Jahren erworbenes Fachwissen ebenso wie Abgeklärtheit des längeren Lebens ihren Wert behalten.

Was bleibt in der veränderten Arbeitswelt
Der Vorbericht des Bundesamtes für Statistik zu den Arbeitsmarktindikatoren spricht von einer Tertiärisierung des Erwerbslebens. Der Dienstleistungssektor überwiegt längst bei weitem den Anteil der herkömmlichen Arbeitsplätze in der Industrie oder gar in der Landwirtschaft. Auch die Zahl der dort beschäftigten Frauen wächst zusehends. Das hat die Arbeitswelt verändert und wird sie künftig noch stärker verändern. Gleich bleiben wird der Bedarf an Mitarbeitenden, die an ihre eigene Arbeit besonders hohe Qualitätsanforderungen stellen. An kompetenten Vorbildern, die andere fördern, indem sie sie fordern.

Irrweg der Frühpensionierung
In absehbarer Zeit wird sich aufgrund der demographischen Entwicklung zeigen, dass auch das gesetzlich vorgegebene Pensionierungsalter in manchen Berufen – nicht nur bei Spitzenbankern, Freiberuflern, Akademikern und Verwaltungsangestellten – nicht zu halten ist. Der Irrweg der Frühpensionierung wird verlassen werden. In Jahren erworbene Kompetenzen sind nicht rasch zu ersetzen – sowohl fachliche wie soziale. Erfahrung wird dann endlich wieder nach tatsächlichem Wert geschätzt. Die in vielen Studien nachgewiesene Zuverlässigkeit älterer Mitarbeitender wird ins richtige Verhältnis zur höheren Geschwindigkeit von Jüngeren gerückt. Loyalität zum Arbeitgeber kann man nicht nach Monaten beweisen. Erst wer lange Jahre einem Unternehmen die Treue gehalten und seinen Beitrag zum Erfolg geleistet hat, kann hier mitreden. Und die Unternehmen werden einsehen müssen, dass gegenseitiges Vertrauen durch beidseitige Zuverlässigkeit wächst.

Dr. Thomas Meyer, Wissenschaftlicher Leiter der terzStiftung

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